Masterplan

Flyer Master Plan

Eine neue Theater-Musik-Tanz Produktion von der Gruppe „The Next Generation“.

In diesem Stück geht es um Träume von jungen Menschen, die mit verschiedenen Theater-, Tanz- und Musikformaten dargestellt werden.

Die Akteure sind zwischen 14-25 Jahren alt und haben ihren Ursprung aus aller Welt! Teilweise hier geboren und teilweise als Flüchtling seit 5 Monaten in Deutschland. Eins ist klar, egal, wo man her kommt, die Zukunftsträume sind sich sehr ähnlich.

Presse

Flüchtlinge und Jugendliche aus der Vahr berühren das Publikum mit selbst erarbeiteter Performance

Gesucht: der Masterplan fürs Leben

ANGELA SEEGERS 23.10.2014

Das Jugendtheaterensemble „The next Generation“ ist ein einmaliges Projekt von jungen unbegleiteten Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft und Religion und deutschen Jugendlichen. In einer selbst erarbeiteten Performance aus Schauspiel, Tanz und Gesang gehen sie der Frage nach dem Sinn des Lebens nach – unter Berücksichtigung ihrer eigenen Geschichte.

Gefühle wie Hoffnung und Liebe machen das Leben lebenswert, soll diese Szene des Projekts „The next Generation“ zeigen. (Petra Stubbe)

Es dauert nicht mehr lange bis sich der Premierenvorhang hebt. Alle sind aufgeregt, auch Saher Khanaqa-Kükelhahn, Diplom-Psychologin und Leiterin des Projektes und anderer Präventionsprojekte seit 20 Jahren. Das Jugendtheaterensemble„The next Generation“ gibt es seit fünf Jahren, erzählt sie. „Die 26 Jugendlichen haben zum aktuellen Stück ,Masterplan’ alles selbst erarbeitet, den Titel, die Songs, die Tanzperformances, die Texte.“ Sie ist sichtlich stolz auf ihre Gruppe und das merkt man ihr an, wenn sie warmherzig in die Runde guckt und jedem ein Toi, toi, toi mit auf den Weg gibt. Dass der Fernseher im Foyer seinen Geist aufgegeben hat erwähnt sie auch noch schnell im Interview. Aber so ist das halt beim Theater.

In unterschiedlichen Räumen in der Neuen Vahr, Tenever und im Ostertor haben die Bühnen-Teams das vergangene halbe Jahr einmal wöchentlich geprobt. Die Songs wurden gemeinsam mit Bruz, Jaz und Ceren als Coaches einstudiert. Die Tanzperformances wurden professionell durch Daniel Kreth und Swetlana Steding unterstützt und am Klavier begleitete Bettina Fischer. Einmal pro Monat waren gemeinsame Proben im Bürgerzentrum Neue Vahr.

Zwei Wissenschaftler wollen den perfekten Menschen kreieren – und scheitern. (Petra Stubbe)

Die 22-jährige Helai Orya aus Huchting stammt aus Afghanistan, wurde in Georgien auf der Flucht geboren und lebt jetzt in Bremen. Sie hat das Abitur mit 1,6 bestanden und ist nahtlos ins Jura-Studium gewechselt. Sie erzählt, dass sie schon lange bei der Gruppe ist, aber heute nur eine kleine Rolle spielt. Sie dolmetscht für Rama (16), die vor vier Monaten aus Syriengekommen ist und in einem Flüchtlingsheim in Sebaldsbrück lebt.

Sprachbarriere ein großes Problem

 

Tanzlehrerin Swetlana Steding (links) und Projektleiterin Saher Khanaqa-Kükelhahn. (Petra Stubbe)

„Die Sprachbarriere ist ein großes Problem für Migranten, weil sie sich nicht verständlich machen können. Anderes Schriftsystem, fehlender Schulbesuch, aus welchen Gründen auch immer, machen die Situation nicht einfacher“, sagt Helai Orya. Dem stimmt die in Kattenturm lebende Inez Klimczak (17) aus Polen sofort zu. Abitur, Studium – für sie selbstverständlich. Sie erzählt, dass sie aus einem anderen Projekt einen Migranten kennt, der gern Wirtschaftswissenschaften studieren möchte und an der Sprachbarriere scheitert, er möchte aber alles versuchen.

Das Publikum verstummt, der Saal wird abgedunkelt und es ertönt der Eröffnungssong, der eine Reise ins Ungewisse ankündigt. Jugendliche aus Afrika, Irak und Syrien treten auf, stellen sich in ihren Landessprachen vor und nehmen vor der Bühne Platz, auf der hinter einem durchsichtigen weißen Tüll Gesichter erscheinen, die von Taschenlampen angestrahlt, mystisch und auf wundersame Weise entrückt erscheinen. Das düstere Zukunftsszenario „Masterplan“ nimmt seinen Lauf – Traum und Realität.

Es treten zwei weiß gekleidete Jugendliche auf, die unschwer als Wissenschaftler zu erkennen sind, die arrogant über lebens- oder lebensunwertes Leben schwadronieren, in der Form „wir erschaffen eine Elite“. Ihre Vorstellung, den perfekten Menschen zu kreieren, nimmt völlig von ihnen Besitz und sie versprechen Fähigkeiten auf Bestellung. Gegen Bares natürlich.

Alle Wünsche sollen innerhalb von sechs Tagen erfüllt werden: Geschlecht, Haarfarbe, Augenfarbe, Körpergröße, sogar geistiges Potenzial ihrer Kinder. Die Generation der so entstehenden Super-Menschen scheint perfekt. Die Selbstmordrate ist allerdings erschreckend hoch. Denn der perfekte Mensch hat keine Träume und Hoffnungen. Also wird versucht, diesen Makel anhand von „minderwertigem Material“, wie sie Menschen aus Drittweltländern nennen, zu beheben, indem sie ihnen die Träume herausoperieren und sie ihren Eliten einpflanzen. Das wissenschaftliche Projekt scheitert, weil die gezüchtete Elite-Generation ihre Gleichgültigkeit und Apathie überwindet. Unnormierte Menschen zeigen ihnen Gefühle wie Liebe und Vertrauen und lassen sie den Reichtum des Lebens mit Träumen und Hoffnungen erkennen. Denn ohne Träume und Hoffnungen lohnt das Leben nicht.

Fließende Übergänge

Die Übergänge zwischen Schauspiel, Songs und Tänzen gestalten sich fließend, harmonisch, ästhetisch. Orientalischer Tanz in großer Robe besteht neben abstrakter Choreografie, einzeln oder in Gruppen, rote und irisierende Lichteffekte untermalen das Szenario.

Der letzte Song, vorgetragen wie ein Fado und an Traurigkeit nicht zu überbieten, handelt von dem verlorenen Sohn im fernen Land. „Über 5000 unbegleitete Flüchtlinge sind in Deutschland unterwegs. Gebt ihnen etwas ab vom Reichtum und eine Heimat“.

Die 150 Zuschauer sind tief berührt, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Dann löst sich die Starre, als die Darsteller auf der Bühne stehen und sich zusammen mit ihren Coaches verbeugen. Frenetischer Applaus und Bravo-Rufe erfüllen den Raum. Regisseurin Saher Khanaqa-Kükelhahn bekommt von ihrer Truppe einen riesigen Blumenstrauß und bedankt sich bei jedem Einzelnen für die großartige Leistung. Bernd Siegel, Beiratssprecher der Neuen Vahr, sagt zum Abschluss: „Grandios, ich bin froh, gekommen zu sein“

Unser Auftritt wurde am 17. Oktober 2014 von Rolf Diehl im Bürgerzentrum Vahr aufgenommen. Ein großes Dankeschön an Rolf Diehl und viel Spaß beim angucken
Teil 1  (02.10.2017)
Teil 2 (02.10.2017)