Sünden des Lebens

 

Das interreligiöse und interkulturelle Projekt Stadtplan der Religionen wendet sich an Jugendliche, die in kirchlichen Gemeinden, in Moscheen, der Synagoge und anderen religiösen Einrichtungen aktiv sind. Mit ihnen denken wir nach, wie unsere Stadt für alle Menschen heller und menschenfreundlicher gemacht werden kann. Zugleich sollen die Jugendlichen lernen, die eigene Religion besser zu verstehen und andere Religionen und Weltanschauungen zu respektieren.

Nach der erfolgreichen Inszenierung und Aufführung der “11 Gebote” im Jahr 2012 ist das Musical „Die Sünden des Lebens“ das zweite Bühnenstück, das Saher Khanaqa-Kükelhahn für den Stadtplan der Religionen auf die Bühne bringt. Abermals haben sich viele Jugendliche aus unterschiedlichen Schulen und Stadtteilen engagiert und das, was für sie die Sünden sind, die unsere Welt und die Gesellschaft bedrohen, künstlerisch zum Ausdruck gebracht.

Wir bedanken uns bei unserem Kooperationspartner dem Theater Bremen sowie den Institutionen Jugendtreff Rotes Haus, Kulturzentrum Schlachthof e.V., Bremen 1860 e.V. und Integration durch Sport für die gute Zusammenarbeit.

Unser besonderer Dank gilt allen Eltern und Familien, die durch ihre Unterstützung der Jugendlichen dieses einzigartige Projekt möglich gemacht haben.

Presse

 

Anke Velten 04.04.2013

Ob der Begriff der Sünde heute für viele Menschen tatsächlich jede ernsthafte Bedeutung verloren hat, oder ob er sich mit neuen Inhalten füllen lässt – mit dieser Frage beschäftigt sich das Musical “Die Sünden des Lebens”, das am 8. April im Bremer Theater uraufgeführt wird. 50 meist jugendliche Bremerinnen und Bremer verschiedener Herkunft haben ein halbes Jahr lang daran gearbeitet.

Ostertor. Vor einigen Jahren hatte ein Eiskonzern die Idee, die “Sieben Todsünden” zu vermarkten: als Eis am Stiel in Geschmacksrichtungen wie “Habgier”, “Wollust” und “Neid”. Rund 50 Bremer Jugendliche und Erwachsene haben sich mit der Frage beschäftigt, ob all das, was ihren Religionen oder den Religionen ihrer Eltern als Sünde gilt, in ihrem Leben tatsächlich keine Bedeutung mehr hat. Ihre Antworten geben sie im Musical “Die Sünden des Lebens”, das am Montag, 8. April, im Theater am Goetheplatz uraufgeführt wird.

Spektakulär ist dabei das Ensemble an sich, das die große Vielfalt der Gesellschaft spiegelt: Menschen verschiedenster Herkunft, Glaubensrichtungen und unterschiedlichster Einstellung zur Religiosität haben sich im Projekt “Stadtplan der Religionen” zusammengefunden. Mehrheitlich sind es Jugendliche aus Gemeinden und Schulen der ganzen Stadt, aber auch ganze Familien, die in dem Musical mitwirken.

Ein halbes Jahr lang haben sie in acht Kleingruppen ihren persönlichen künstlerischen Zugang zum Thema Sünde erarbeitet, der sich auf der Bühne tänzerisch, theatralisch und musikalisch ausdrücken wird, als Rap oder Hip-Hop, Volkstanz oder Ballett, Oper oder Breakdance.

Organisatorin und Regisseurin ist Saher Khanaqa-Kükelhahn, die bereits 2012 mit 35 Jugendlichen die “Elf Gebote für das Leben” auf die Bühne des Schlachthof gebracht hat. In diesem Jahr holte die Schwachhauser Psychologin, die sich seit langem in der Jugendarbeit engagiert, den Intendanten Michael Börgerding mit in ihr interreligiöses und interkulturelles Boot: “Ich hatte in einem Interview gelesen, dass er die Theaterbühne auch für Projekte anderer Kulturen öffnen möchte”, erzählt sie. “Also setzte ich mich sofort ans Telefon und nahm ihn beim Wort.”

Zur Sprache kommen in dem Musical nicht nur unterschiedliche Ansichten darüber, was nach christlichem, jüdischem oder muslimischem Glauben als Sünde gilt. Vor allem gehe es um ein “Update der Sünden”, sagt Saher Kanaqa-Kükelhahn: um das Hinterfragen von Althergebrachtem und um eine Neuinterpretation des Begriffes. Zu den Themen, die das Ensemble besonders beschäftigten, gehören der Hunger in der Welt, die Gefahren des Internets, die Allgegenwärtigkeit von Pornografie und der Umgang mit Frauen als Ware, die Arbeitslosigkeit, die Heimatlosigkeit und die Existenzangst.

Leicht verdaulich sollte das jedenfalls nicht sein. Begleitet wird die Bühnenaufführung von einer Kunstausstellung im Foyer des Theaters. Bremer Schulklassen haben sich im Kunstunterricht mit den “Sünden des Lebens” befasst und präsentieren ihre Werke erstmals einem großen Publikum.

Das Musical “Die Sünden des Lebens” im Rahmen des “Bremer Stadtplan der Religionen”, ist Teil des Projektes des “Netzwerk Zukunftsgestaltung und seelische Gesundheit Bremen”, das sich seit 2011 für die Integration Jugendlicher unterschiedlicher Religionen und Abstammung in Bremen engagiert. Dieses Projekt wurde bislang gefördert von dem Bundesprogramm “Initiative Demokratie Stärken”. Die Unterstützung wird nun allerdings auslaufen. Saher Khanaqa-Kükelhahn: “Wir wünschen uns, dass diese wichtige Arbeit auch weiterhin gewürdigt wird.”