Unsere 11 Gebote

Presse

Bühnenprojekt soll Jugendlichen bei der Berufsorientierung helfen / Bewerbungen für Casting-Camp möglich

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Elf Gebote für ein besseres Leben

Karin Mahlstedt 08.09.2011

Neue Vahr. Was will ich in meinem Leben erreichen? Darüber sollen sich Jugendliche bei dem Projekt “Unsere 11 Gebote” Gedanken machen. Diplom-Psychologin Saher Khanaqa-Kükelhahn will sie zusammen mit ihrem Team auf den Beruf vorbereiten. Für Personal- und Materialkosten soll sie 10000 Euro aus dem Programm “Stärken vor Ort” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Europäischen Sozialfonds bekommen. Das hat der Begleitausschuss nun im Rahmen des WiN-Forums in der Neuen Vahr beschlossen.

Etwa 25 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren, die Probleme bei der Berufsorientierung, in der Schule oder in der Familie haben, möchten Khanaqa-Kükelhahn, eine Tanzpädagogin und ein Kulturpädagoge mit ihrem Projekt erreichen. Drei Monate sollen die Jugendlichen Zeit haben, sich “ihre 11 Gebote” auszudenken und künstlerisch umzusetzen.

Am Anfang stehen zwei “Casting-Camps”. “Damit kriegen wir die Jugendlichen sofort”, sagt Khanaqa-Kükelhahn. “Wir holen Jugendliche im sozialen Bereich viel zu selten mit ihren eigenen Mitteln ab, weil wir die selbst nicht für sinnvoll halten.”

An zwei Wochenenden, von Freitag bis Sonnabend, erhalten die Bewerber intensiven Unterricht in Schauspiel, Gesang und Tanz. Jeder und jede der Jugendlichen schreibt elf Ziele oder Wünsche für sein und ihr Leben auf – beruflich oder privat. Die elf am häufigsten genannten Ziele werden dann auf die Bühne gebracht.

Aufführung Ende des Jahres

“Es kann ein Sketch über Ehrlichkeit entstehen, ein Tanzstück zu Familie, ein Rap übers Geld verdienen”, sagt Khanaqa-Kükelhahn, die in Schwachhausen eine Praxis für Verhaltenstherapie hat und selbst mit den Gruppen “Inflagranti” und “Fatma-Express” auf der Bühne steht. Ende des Jahres soll es eine Aufführung geben, im Stadtteil oder auf einer größeren Bühne, je nachdem, was die Jugendlichen wollen. Die Aufführung soll gefilmt werden, damit die Jugendlichen an Jugendwettbewerben teilnehmen können. “Dabei wird das Engagement der Jugendlichen noch einmal anerkannt”, sagt Khanaqa-Kükelhahn.

Die Kandidaten für das Projekt sollen in Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendhäusern gefunden werden. Besonders eng will das Team um Khanaqa-Kükelhahn mit dem Jugendtreff “Rotes Haus” vom Deutschen Roten Kreuz zusammen arbeiten. Auch eine Kooperation mit der Kompetenzagentur “PickUp” ist geplant. Für Khanaqa-Kükelhahn das Wichtigste: Jeder der Jugendlichen muss ein Logbuch führen. Darin werden die Erkenntnisse aus der Projektarbeit festgehalten. In Einzelgesprächen will die Psychologin herausfinden, welche Stärken, Schwächen und Interessen die Jugendlichen haben.

Im Laufe des Projektes sollen sie nicht nur auf der Bühne stehen. Auch um Texte, das richtige Ausleuchten der Szenen und eine Homepage sollen sie sich beispielsweise kümmern. “Wenn es gut läuft, entwickelt sich eine Orientierung für das eigene Berufsleben”, sagt Khanaqa-Kükelhahn. Dann sollen die Jugendlichen nach Möglichkeit Kurzpraktika in Unternehmen machen. “Bei einer der letzten Produktionen hat sich ein Jugendlicher für den Job des Türstehers interessiert”, sagt Khanaqa-Kükelhahn. “Er hat dann ein Praktikum bei einem Sicherheitsdienst gemacht.” Die Idee zu dem Projekt entstand aus dem “Clash of Culture” der Gruppe “Inflagranti”. Dabei treten Schauspieler mit Wurzeln im Nahen oder ferneren Osten auf der Bühne gegen Deutsche an.

Als Saher Khanaqa-Kükelhahn, die mit 17 Jahren aus dem Irak nach Deutschland gekommen ist, an einer Berufsschule eine interkulturelle Fortbildung für Lehrer leitete, hatte sie die Idee, auch die Schüler auf die Bühne zu bringen. “Wir haben festgestellt, dass Impro-Theater etwas Tolles ist für Jugendliche, die normalerweise nicht lange an einem Projekt dranbleiben”, sagt Khanaqa-Kükelhahn. Im nächsten Schritt führten die Psychologin und ihre Kollegen Berufsschüler und Gymnasiasten schauspielerisch zusammen. Daraus entwickelte sich die Idee, aus der Bühnen-Show ein soziales Training zu machen. “Wenn wirklich 40 Jugendliche kommen und bleiben wollen, schmeiße ich die nicht raus”, sagt Khanaqa-Kükelhahn, “wenn 25 bleiben, haben wir ganz viel erreicht.”

Für die Sportakademie, die der Sportgarten zusammen mit Schulen, Sportvereinen und Jugendeinrichtungen in der Neuen Vahr aufbauen will, hat das WiN-Forum jetzt außerdem 1350 Euro aus dem Topf “Wohnen in Nachbarschaften” (WiN) bewilligt.

Wer sich für das Projekt “Unsere 11 Gebote” interessiert, sich für das Casting bewerben möchte oder mehr über die Sportakademie wissen möchte, bekommt bei Quartiersmanager Dirk Stöver nähere Informationen. Er ist unter Telefon 36119737 zu erreichen.